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Das KI-Rad: Prompts statt Apps
Erinnert sich noch jemand an das Padagogy-Rad? Es hing vor ein paar Jahren in vielen Lehrerzimmern: innen die Denkstufen nach Bloom, von Erinnern bis Erschaffen, darum herum passende Verben und ganz außen ein Kranz aus App-Symbolen. Die Idee dahinter war gut. Erst kommt die Frage, was die Schüler denken sollen, dann das Werkzeug.
Das Problem war der äußere Ring. Kaum war das Plakat gedruckt, gab es die Hälfte der Apps nicht mehr, sie kosteten plötzlich Geld oder wollten eine Anmeldung mit Schülerdaten.
Heute braucht es für viele dieser Aufgaben gar keine App mehr. Es braucht einen guten Auftrag an eine KI. Und wenn es doch eine App sein soll, baut die KI sie auf Zuruf. Also habe ich das Rad neu gedacht.
Zur App: Rad drehen, Stufe wählen, Prompt kopieren · Das Rad als Plakat herunterladen (PDF, A3)
So ist das Rad aufgebaut
Von innen nach außen:
- In der Mitte steht die Frage, mit der jede Planung anfangen sollte: Was sollen die Schüler denken, nicht nur tun?
- Die KI als … Auf jeder Stufe spielt die KI eine andere Rolle: Quizmaster, Tutor, Trainer, Sokrates, Kritiker, Werkstatt. Wer die Rolle kennt, schreibt bessere Prompts.
- Sechs Denkstufen: Erinnern, Verstehen, Anwenden, Analysieren, Bewerten, Erschaffen.
- Verben, die zur Stufe passen. Sie helfen beim Formulieren von Aufgaben.
- Außen 66 Ideen. Wo im alten Rad die App-Symbole standen, steht jetzt pro Stufe ein Kranz aus Feldern. Die hellen Felder sind Prompts, also Aufträge an die KI, mit denen eine Lehrkraft vorbereitet oder ein Schüler lernt. Die dunklen Felder heißen KI baut: Dort steht der Auftrag für eine kleine App, die die KI als einzelne HTML-Datei liefert.
Ein Plakat und eine App
Das ganze Rad ist ein Plakat. Es zeigt alles auf einen Blick, lässt sich in A3 ausdrucken und ins Lehrerzimmer hängen.
Zum Arbeiten gibt es die App. Oben sieht man nur den Rand des Rads und dreht ihn mit dem Daumen. Wo es einrastet, öffnet sich darunter der Baukasten: die Rolle der KI, die Verben und alle Prompts dieser Stufe, jeweils zum Aufklappen und Kopieren. Was in eckigen Klammern steht, wird durch eigene Angaben ersetzt, dann geht der Prompt direkt in Claude, ChatGPT oder Gemini. Ein Filter zeigt nur die Ideen für Lehrkräfte oder nur die für Schüler. Ganz unten stehen noch Prompts für die Arbeit vor der Stunde: Stundenverlauf, Lernziele, Elternbrief, Ausflugsplanung.
Die App läuft im Browser, auf dem Handy wie am Smartboard, ohne Anmeldung und ohne Cookies.
Warum Prompts besser altern als Apps
Eine App ist ein Produkt. Ein Prompt ist ein Auftrag. Produkte verschwinden, Aufträge bleiben. „Frag mich ab, immer nur eine Frage, und sag mir am Ende, was ich wiederholen soll“ funktioniert mit jeder KI, heute und vermutlich auch in fünf Jahren.
Dazu kommt: Ein Prompt lässt sich anpassen. Eine App für Vokabeln gibt es fertig oder gar nicht. Ein Prompt für Vokabeln kann das Wortfeld der Woche nehmen, das Niveau der Klasse und die Fehler, die gestern auffielen.
Ein Beispiel aus der Stufe Analysieren:
Sei Sokrates. Ich vertrete diese These: [These]. Hinterfrage jede meiner Aussagen mit genau einer Frage und gib keine eigene Meinung ab. Nach fünf Runden fasse zusammen, wo meine Begründung stark ist und wo sie wackelt.
Die KI liefert hier keine Antwort, sie verlangt eine. Das ist der Kern des ganzen Rads: Die guten Prompts lassen die Schüler denken, statt ihnen das Denken abzunehmen.
Der Ring „KI baut“
Vor ein paar Monaten habe ich gezeigt, wie eine KI eine ganze Unterrichts-App baut. Das ist inzwischen Alltag. Ein Memory mit den Fachbegriffen der Stunde, ein Kopfrechen-Duell fürs Smartboard, ein Kaufladen mit Wechselgeld, ein Beat-Baukasten für Musik: Jeder Prompt im Ring „KI baut“ endet mit denselben Bedingungen. Eine Datei, läuft offline, keine Anmeldung, keine Daten ins Internet. So bleibt die App im Klassenzimmer und das Thema Datenschutz ist erledigt, bevor es anfängt.
Am spannendsten wird es auf der Stufe Erschaffen: Da erfinden die Schüler das Spiel selbst, beschreiben die Regeln, und die KI baut es. Wer schon einmal versucht hat, einer Maschine ein Spiel zu erklären, weiß, wie genau man dafür denken muss.
Was das Rad nicht ist
Die Stufen sind keine Treppe, die man in jeder Stunde hochsteigt. Und die KI ersetzt keine Stufe. Wer eine Aufgabe so stellt, dass die KI sie allein lösen kann, landet schnell im KI-Kreislauf im Klassenzimmer. Das Rad soll helfen, die KI dort einzusetzen, wo sie das Denken anstößt.
Eine Regel gilt für jeden Prompt: keine Namen, Noten oder anderen Daten von Schülern hineinschreiben.
Ein eigenes Rad bauen
Das Rad selbst ist übrigens genauso entstanden wie die Apps darin: im Gespräch mit einer KI. Wer ein eigenes Rad für sein Fach möchte, kann so anfangen:
Baue mir eine App als einzelne HTML-Datei: Oben ein Rad mit sechs Denkstufen nach Bloom, das man mit dem Finger dreht. Wo es einrastet, erscheinen darunter je fünf Prompt-Ideen für [Fach, Klassenstufe], jede mit einem Knopf zum Kopieren. Frag mich zuerst nach meinen Themen.
Woher die Idee kommt
Das Rad folgt der Idee des Padagogy Wheel von Allan Carrington, der Bloom, Verben und Apps auf einem Rad zusammengebracht hat. Eine zweite Anregung ist das MiLD-Modell, das Unterricht mit digitalen Lernbegleitern plant und reflektiert. Inhalt, Prompts und Gestaltung des KI-Rads sind eigen. Viele Prompts stammen aus meiner alten Promptsammlung und sind für heutige Modelle überarbeitet.
